Sprintworks: keine Agentur

Schon seit vielen Jahren reizt mich die Idee, eine Agentur oder vielmehr einen Service ins Leben zu rufen, der deutschen Start-Ups dabei hilft, erfolgreich in den Markt einzutreten. Mit Marketing und Kommunikation. Deutsche Start Ups haben wahnsinnig oft ein tolles Produkt, ein smartes, motiviertes Team, aber eine mangelhafte Verpackung. In der Fokussierung auf das Produkt geht “die Verkaufe” verloren. Story, Look&Feel, Tonalität, Zielgruppe, Strategie, Kreative Assets – all das rückt allzu häufig in den Hintergrund, so dass viele gute Ideen schon sterben, bevor sie überhaupt richtig wahrgenommen werden. Da das Gros der Start-Ups sich keine große Agentur leisten kann oder will, da sie zu teuer oder zu unflexibel ist oder das Agenturprodukt schlichtweg nicht zu den Bedürfnissen eines jungen Unternehmens in den Startlöchern passt, verlassen sie sich oftmals auf hausgemachtes oder Family&Friends. Hier gibt es eine Lücke in der weiten Agenturlandschaft. Oder vielmehr, die Chance, etwas zu bauen, dass exakt auf die Anforderungen von agilen, sich schnell entwickelnden, Unternehmen zugeschnitten ist. Starting up Start-ups war der Arbeitstitel, den ich dem Vorhaben 2013 gab. Cheesy, ich weiß. 

Acht Jahre später ist aus dieser und anderen Ideen, die von klügeren Leuten als mir geboren wurden, Sprintworks geworden. 

Im März 2021 wurde klar, dass die musikalischen Differenzen zwischen mir und meinem bisherigen Arbeitgeber so groß waren, dass wir beschließen mussten, in Zukunft getrennte Wege zu gehen. Die Entscheidung verschaffte mir unverhofft Zeit und mentale Kapazität, mich neuen und liegengebliebenen Vorhaben zu widmen. Eines davon: Starting Up Start-Ups. Die Idee hat mich immer noch nicht losgelassen. Irgendwie macht sie heute noch viel mehr Sinn, als vor acht Jahren. Um weiter zu kommen, brauchte ich jedoch erst einmal unbedingt intellektuelles und kreatives Sparring. Folgerichtig rief ich meine lieben Kolleg:innen Anna Hoehn und Timm Weber an. Die Idee wurde prinzipiell für gut befunden und mit einem adäquaten Arbeitstitel versehen: Supergroup. Die grundlegende Annahme für die weitere Ausgestaltung dessen, was später Sprintworks werden sollte: Man braucht keine Agentur, um in kürzester Zeit hervorragende Kommunikation zu kreieren und zu planen. Ganz im Gegenteil. Man braucht das Gegenteil einer Agentur. 

Je größer Agenturen werden, desto mehr gleichen sie den multinationalen Konzernen, die sie zu ihren Kunden zählen. Prozesse werden immer mehr mit überflüssigem Schnickschnack und Marketing-Blabla angedickt, bis ein Großteil der Arbeitszeit darauf verwendet wird, Mitarbeiter auf eben diese Prozesse zu schulen oder ihnen zumindest rudimentär zu erklären, was all die Kunstworte, Akronyme und Tools überhaupt bedeuten und machen. Gesetzt den Fall, es findet sich jemand, der’s weiß, versteht sich. 

Mitarbeiter mit Know-How und Erfahrung werden früher oder später in Führungspositionen befördert, in denen sie sich mit Administration und Politik herumschlagen und nicht mehr auf den Herausforderungen der Kunden arbeiten. Kompetenz versickert in den Schützengräben der Schlacht um die Eckbüros. Die Verantwortlichkeiten für Kunden werden von links nach rechts geschoben, da die Personaldecke zu dünn ist, um Kontinuität in den Kundenteams zu garantieren. Die smartesten, kreativsten, belastbarsten und seniorsten Mitglieder jedes Bestandskundenteams arbeiten ständig auf Pitches, so dass sie sich nicht auf ihre Kunden konzentrieren und nur mit viel Überstunden die Arbeit in sie investieren können, die nötig ist, um die Prozesse am Laufen zu halten. Permanent kurzfristig aufbrechende Löcher werden mit Freelancern gestopft. 

Die Hochbeförderten, also der stetig wachsende Overhead der Agentur ist vor allem damit ausgelastet, dass er das an der Leistungsgrenze knüppelnde Personal ständig hin und her schiebt. Diesen Overhead bezahlen die Kunden. Ebenso bezahlen sie für die Neugeschäftsaktivitäten ihrer Agentur und das Überleben von deren kurzfristig defizitären Schwestern in Madrid, Rom und Rio. Sie bezahlen mit Geld. Sie bezahlen mit Blut, Schweiß und Tränen in der Agenturführung. Und sie bezahlen mit nicht-optimaler Kommunikation. Das ist schon immer so und das ist bei allen so. Ausnahmen bestätigen die Regel. Alle Beteiligten wissen, dass es so ist, und für einige Kunden funktioniert das System auch wunderbar – vor allem für die Großen, die viel Geschäft durch die Agentur schieben. Muss es so sein? Nein. Könnte es anders sein? Ja, teilweise. Aber wir wollen ja auch nicht die Welt verändern, sondern eine Lücke füllen. 

Kann man eine mögliche Alternative auch Unternehmen anbieten, die keine Start-Ups sind? Unbedingt. Ist die Alternative einfach nur, dass drei Werber, die genug Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten haben, um sich Supergroup zu nennen, eine Agentur aufmachen, die (mit viel Glück) irgendwann zwangsläufig in die selben Probleme hineinrennt? Nein. 

Das Angebot, das wir schließlich mit sprintworks.de formuliert haben, ist keine Agentur, sondern ein Format der Zusammenarbeit. Ein Format deswegen, weil es uns dreien erlaubt, all die anderen Dinge, die uns umtreiben zu tun, ohne durch Sprintworks gebunden zu sein. Das ist der Supergroup-Gedanke, der überlebt habt. Jeder von uns spielt in seiner Band. Wenn ein Kunde uns zusammen für einen Gig bucht, bekommt er uns. Stets mit frischen Ideen aus unseren anderen Projekten in den Köpfen und der Freude, dass wir wieder zusammen spielen dürfen, in den Herzen. Und mit der Gewissheit auf Kundenseite, dass wir nur Gigs annehmen, zu denen unser Format passt. Wir müssen alle unsere Miete zahlen. Was uns deutlich mehr motiviert als Umsatz, ist jedoch die Aussicht darauf, gemeinsam mit Kunden, die für ihre Marken und Produkte brennen, gute Kommunikation zu entwickeln.

Man braucht keine Agentur, um großartige Dinge in kurzer Zeit zu schaffen. Das ist unser Credo. Wir haben aus den Arbeitsformaten gelernt, die uns immer am meisten Spaß gemacht haben: Creative Sprints, Entwicklungssprints und natürlich Pitches. Ein Pitch ist ein Sprint: Es gilt, eine klar definierte Aufgabe von Anfang bis Ende gemeinsam zu lösen. In einem knapp bemessenen Zeitraum und fokussiert. Das ist das Format, das für uns in den letzen Jahren am produktivsten war. Was es dafür braucht: Alle Entscheider an Bord. Alle Beteiligten mit dem gleichen Wissensstand. Alle auf Ballhöhe. Intensives Arbeiten. Direktes Feedback. Klare Entscheidungen. Als Magic Sauce eine große Portion Adrenalin. 

Was man im Sprint nicht erledigen kann: Betreuung des Daily Business. Das wollen wir auch gar nicht. Wir wollen gemeinsam mit Kunden, die das Format spannend finden, auf hohem Niveau Markenführungs- und Kommunikationsnüsse knacken, Jahresstrategien und Kampagnen entwickeln und schließlich Kreation produzieren, die die gesetzten Ziele erreicht.

Start-Ups haben wir noch im Fokus, aber nicht mehr ausschließlich. Wir wollen mit Marken sprinten, die schneller zu Ergebnissen kommen wollen als im normalen Agentur Set-Up, mit Start Ups, die auf dem deutschen Markt schnell weiterkommen wollen, mit Venture Capital Firmen, die ihre Unternehmungen beim Thema Marke und Kommunikation pushen möchten und mit Agenturen, die ganze Projekte auslagern wollen. 

Ein klares Briefing. Klare Spielregeln. Ein hohes Maß an Disziplin und Einsatz. Anna, Timm, Chris. Unser großartiges Netzwerk, aus dem wir je nach Aufgabenstellung weitere Sprintworker hinzu ziehen. Viel Liebe und Leidenschaft. Mehr braucht es nicht, um tolle Kommunikation zu machen. 

Mehr zu uns und unserem Format gibt es auf unserer schlanken Website sprintworks.de

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