Das kleine Haus hinterm Deich: Scheiße und Schalldämpfer

Als ich letzte Woche auf dem Ochsenwerder Landscheideweg aus der Innenstadt kommend Richtung Kleines Haus hinterm Deich unterwegs war, stand auf meiner Fahrspur ein Tanklastwagen. Mit eingeschalteter Warnblinkanlage. Ich zog sportiv an ihm vorbei und las in eben jener sportlichen Vorbeifahrt das Wort „Grubenentleerung“ auf der Flanke des orangefarbenen Koloss. Hinter dem außer Kraft gesetzten Fahrzeug war die Farbe der Straße nicht mehr schwarz, sondern braun-beige – was mich kurz irritierte. Mehr noch verunsicherte mich der Caterpillar, also ein Bagger, der eher schiebt als hebt, der mir kurz nach Passieren des liegen gebliebenen Fahrzeugs entgegen kam und offenbar die Straße wieder schwarz machte, indem er sehr viel braun vor sich her schob.

Mein Learning: Fahr nicht mit 60 durch Scheiße. Das verändert die vorab gewählte Farbe des eigenen Fortbewegungsmittels und die Haptik der Türgriffe beim Ein- und Aussteigen signifikant. Sagrotan ist ein tolles Produkt, aber es kratzt dir nicht selbständig den Schmodder aus dem Nagelbett, den ein unaufmerksamer Grubenentleerer großflächig auf die Straße verteilt hat.

„Wir ham uns hier nicht so“, würde Anja sagen. Die Scheiße an den Fingern macht das nicht weg.

Heute war Herr Schröder da, um den Siphon und den Wasserhahn im Garten zu richten. Die Haustür hat außen eine Klinke daher standen Herr Schröder und sein Wingman, der den Werkzeugkoffer tragen durfte, früh um 10 einfach im Flur und riefen „hallo“. Ich rief „hallo“ zurück, recht dankbar darüber, dass ich meine Telefonkonferenz nicht unterbrechen musste, um Handwerker einzuweisen. Nette Jungs, der Siphon ist ein Traum, das Wasser läuft jetzt in die Kanalisation und nicht mehr ins Bad.

Das Fahrzeug, mit dem ich dem leicht verpeilten Güllewagen-Chauffeur ausgewichen bin, ist ein Plug-In-Hybrid aus Bayern. Oder in diesem Fall aus Leipzig, wie mir der tüchtige BMW-Verkäufer (mit Namen Schröder…) verriet.

Erstaunlich ist (und das ist wirklich erstaunlich), dass ein Auto, das nur einen Star-Wars-mäßigen Fußgängerwarnton von sich gibt, wenn es fährt und nicht auf totalen Aggromodus geschaltet ist, so viel Kopfschütteln auslöst. Es schleicht vorbei, es tankt gerade Ökostrom im Carport, es kommt über den Tag mit unter fünf Litern Benzin aus, aber es ist eben kein Trecker. Und es ist kein Passat. Geschweige denn ein Sharan.

Mein Learning: Das Fahrzeug muss lauter werden. Laut genug, um gehört zu werden. Laut genug, um akzeptiert zu werden. Ich stehe im intensiven Austausch mit Hans Zimmer, um den richtigen Sound bei maximaler Menge an Scheiße von unten festzulegen.

Hans knows best. Wer sonst.

2 Gedanken zu “Das kleine Haus hinterm Deich: Scheiße und Schalldämpfer

  1. Dieses Brummen ist tatsächlich unbefriedigend. Zwar bringt es bei der BAFA -Förderung noch 100€ mehr aufs Konto ansonsten nur irritierte Blicke. Ich plädiere für Soundmodule, die klassische Verbrennermotoren imitieren. Wahlweise. Mal sonores 8-Zylinderbrabbeln, mal das giftige Schnurren eines alten luftgekühlten Porsche 6-Zylinder oder – grad heut- was zweitaktiges. Ich könnte mir vorstellen , dass dies der Akzeptanz von Elektroautos ein akustisches Auftreten (Vorfahren?) gut tun würde. Unser ZOE mit dem Sound „Leopard 2“ , das wärs!!

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    • In der Tat erzählte mir ein Bekannter aus Bremen im Jahr 2012, dass Hans Zimmer einen Fisker Karma sein Eigen nannte. Das gehörte sich damals für kurze Zeit so, wenn man zur Musik-Hautevolee am Fuße der Hollywood Hills gehörte. Auch Troy Carter hatte so ein schönes Teil in der Garage stehen, aber das ist eine andere Geschichte, die ein anderes Mal erzählt werden soll. Zurück zum Zimmer Hans. Mein Bekannter hatte einen Termin mit ihm in Los Angeles und der Herr Komponist fuhr mit seinem nigelnagelneuen Elektromobil vor, das – Achtung – beim Fahren den Sound von Luke Skywalkers Tie Fighter von sich gab. DAS möchte ich bitte auch. Oder das geile hydraulische Quietschen mit dem die AT-AT-Walker Endor roden. Da guckt dann keiner mehr spöttisch.

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