Morgen wir

Zuerst erschienen am 22. Juli 2016 auf norsksoul.tumblr.com

Ich möchte nicht mit Idioten diskutieren. Ich tue mich unfassbar schwer damit, mich mit offenbar völlig ungebildeten, verblendeten Fanatikern auseinander zu setzen. Ich bin, wie viele meiner Generation, sozial-liberal erzogen. Ich habe gelernt, dass die Würde des Menschen unantastbar ist. Ich habe gelernt, dass Solidarität mit denen, die weniger haben, ein tragender Grundpfeiler unseres Gemeinwesens ist. Ich hatte und habe (glücklicherweise) Zugang zu Gedanken von vielen Menschen, die klüger sind als ich und stelle weder die Menschenwürde als zentrales Gut des friedlichen Zusammenlebens, noch das Solidarprinzip in Frage. Ich war Punk. Punk ohne Geld mit Brass auf “die da oben”. Friede den Hütten, Krieg den Palästen. Jetzt bin ich Punk mit Geld. Ich wohne weder in einer Hütte, noch in einem Palast und doch gehöre ich zu den 10% der Bevölkerung, die über 40% des Steueraufkommens tragen.

Richtig. Sich darüber Gedanken zu machen, ist alles andere als Punk. Mache ich auch nicht. Ich mache mir Gedanken darüber, dass ich als Gutmensch beschimpft werde, wenn ich den Versuch wage, zu diskutieren. Ich mache mir Gedanken darüber, dass Angst, Hass und Neid so tief im deutschen Naturell verhaftet zu sein scheinen, dass sie noch heute die Eckpfeiler einer gesellschaftlichen Diskussion sind. Ich mache mir Gedanken darüber, dass der Mob die Richtung zu bestimmen scheint. Das hatten wir schon einmal, das brauchen wir nicht mehr.

Wer ist wir? Gute Frage, Wir sind die, die verstehen, dass Deutschland weitaus mehr ist, als ein Territorialstaat, der Grenzen hat. Wir sind die, die verstehen, dass Europa mehr ist, als eine stabile Währung und wirtschaftliche Zusammenarbeit. Wir sind Punks, die heute schweigen, genau wie sie 1933 geschwiegen haben. Wir sind die Idioten, die sich beschimpfen lassen. Wir sind die, die Angst davor haben, den Mob in seine Schranken zu weisen, weil wir an die Prinzipien glauben, nach denen Deutschland und Europa funktionieren (sollten). Solidarität. Stille Übereinkunft. Sicherheit vor dem Naturzustand. Wohlfahrt. Freiheit.

Ich habe keinen Sündenbock. Wie auch?

Ich glaube daran, dass alle Menschen gleich sind. Ich glaube daran, dass Solidarität keine Einbahnstraße ist. Ich glaube daran, dass der Mob nicht “das Volk” ist. Ich glaube daran, dass sich diese Grundsätze nicht ändern, wenn Deutschland endlich offiziell ein Einwanderungsland wird. Ich glaube daran, dass “Bildung für alle” ein Prinzip ist, das ein friedliches, wertschöpfendes Gemeinwohl befördert. Ich glaube daran, dass dumme Menschen keine Macht haben sollten. Ich glaube daran, dass Wissen deutlich besser ist als Glauben. Ich glaube an Freiheit. Ich glaube an “wissen, worüber du sprichst”. Ich glaube an “daran glauben, dass alles wieder gut wird”. Allein, was hilft’s?

“Realität ist die Zukunft der Leute von gestern. Und du darfst nie vergessen, Homie, das sind morgen wir.” – Azad

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s